Arganöl, auch "das flüssige Gold Marokkos" genannt, wird aus den Früchten des dornigen Arganbaumes gewonnen. Der Arganbaum wird auch Arganier oder wegen seines harten Holzes Eisenholzbaum genannt und gehört zu der Gattung Argania Roem. et Schult aus der Familie der Sapotengewächse (Sapotacea). Der wahre Name des (marokkanischen) Arganbaumes ist laut Index Kewensis (1911) Argania spinosa (L.) Skeels.
Arganbaum hat für den relativ niedrigen Stamm eine weit ausladende Krone (von bisweilen mehr als 70 m Umfang), deren Äste sich auf den Boden herabneigen. Der Arganbaum wächst wild und ist in der Lage, äußerste Trockenheit und hohe Temperaturen bis über 50°C zu überstehen.
Der Arganbaum ist mit über 80 Mio. Jahren einer der ältesten der Welt und wächst nur noch im südwestlichen Teil von Marokko. Das Verbreitungsgebiet dieses einzigartigen Baumes wird „Arganeraie“ genannt. Dreh- und Angelpunkt der Arganeraie bildet die Stadt Agadir.
Die Frucht des Arganbaumes ist ölhaltig und sieht wie eine Mischung aus Olive und gelber Pflaume aus. Sie hat einen bitteren Geschmack und ist daher für die Menschen ungenießbar. In guten Regenjahren kann der Baum bis zu drei Generationen Blüten und Früchte in unterschiedlichstem Reifegrad tragen. Schon nach 5 Jahren trägt er Früchte. Der beste Ertrag wird jedoch im Alter von 60 Jahren geworfen. Der Arganbaum hat eine Lebenserwartung von 250-400 Jahren.
Das Laub und die herabfallenden Früchte werden von den Schafen und Ziegen gefressen. Die Kamele bedienen sich dank ihrer Größe direkt vom Arganbaum. Zwar versucht sich der Arganbaum mit Tausenden von Dornen vor Tierfraß zu schützen, allerdings die Dromedare könnten Glas fressen, ohne sich zu verletzen.
Ziegen haben ihrerseits gelernt bis in die Baumkronen zu klettern, wenn am Boden keine Nahrung mehr zu finden ist und rupfen zwischen den Dornen Blätter und Früchte ab. ständig sieht man die Kletterkünstler käuend in den Ästen.
Es gibt ein großen Streit unter Arganier-Experten um die Ziegen und die Arganbäume: Während die einen der Meinung sind, dass die Auslichtung des Blätterwerks für die Bäume schädlich ist, schätzen die anderen hingegen die Ziegen; durch das Ausscheiden der unverdaulichen Nüsse besorgen sie die Verbreitung der Arganbäume. Dass aber die aus diesen Nüssen verarbeiteten Mandeln dem Arganöl irgendeine besondere Geschmacksnote verleihen, wie etwa beim Veredlungsprozess der Kaffeebohnen Kopi Luwak durch die Schleichkatze, ist schlicht und einfach Unsinn.
Unumstritten ist jedoch, dass das Zusammenleben zwischen dem Arganbaum und Atlashörnchen (Atlantoxerus getulus) von einer Symbiose geprägt ist. Die Arganbäume geben den Atlashörnchen Nahrung und die Atlashörnchen verbreiten die Samen: Ein klassisches Beispiel für eine Symbiose in der Natur.
Über die Lebensweise der Atlashörnchen ist wenig bekannt. Sie bilden Kolonien in felsigen Gegenden des Atlas und sind dämmerungsaktiv. Sie legen, wenn viel Nahrung da ist, Futterverstecke an. Sie graben ein Loch, vergraben die Arganfrüchte und lassen sie dort. Diese Vorratshaltung spielt u. a. eine wichtige Rolle für die Verjüngung des Arganwaldes. Denn einige Samen gehen vergessen und haben im Boden beste Chancen auszutreiben. Ihren Ruf als «Gärtner des Waldes» haben die Atlashörnchen im Argangebiet, wo Gärtner dringend nötig sind, par Excellence verdient. Auf unsere Entdeckungsreisen durch das Argangebiet waren manchmal Arganbäume in den unzugänglichsten Gebirgswildnissen zu sehen, die nur die fleißigen Gärtner gepflanzt haben können.
Es wird zwar viel über den Arganbaum geschrieben und darüber geforscht, über diese interessante Symbiose konnte der Autor jedoch keine wissenschaftlichen Studien finden. Wir haben selbst die Erfahrung gemacht, wie schwierig es ist, das Verhalten der menschenscheuen Atlashörnchen zu beobachten. Unserem Photograph ist noch nicht gelungen scharfe Nahaufnahmen von diesen in der Wildnis lebenden Nagetieren zu machen.
Der Arganbaum bietet rund drei Millionen Menschen mit seinen traditionellen Produkten -Tierfutter, Arganöl und Holz - ein Einkommen. Gleichzeitig erfüllt er aber auch die Funktion eines Schutzwaldes als Barriere gegen die Sahara, wobei er Trockenzeiten durch Einschränkung seines Wachstums und Nichtfruchtung toleriert, um mit dem ersten Regen wieder aus seiner Scheinruhe durch Begrünung und Blüte zu erwachen.
Der Arganbaum, der im Leben der Berber eine große Rolle spielt und wertvoll als Einkommensquelle ist, ist heute ernsthaft bedroht. Extreme Dürren und durch Armut bedingte Übernutzung ließen den Bestand in weniger als einem Jahrzehnt um etwa ein Drittel zurückgehen. Die Entwaldung auf den verbleibenden gut 830.000 ha (ca. 21 Mio. Bäume) schreitet weiter voran. Es gibt im Vergleich ca. 800 Millionen Olivenbäume weltweit. Die Folge: Der Grundwasserspiegel sinkt stetig ab, Bodenerosion und der Verlust an biologischer Vielfalt nehmen zu. Verbunden damit schwinden die Einkommensgrundlagen der Bevölkerung und deren Lebensbedingungen verschlechtern sich.
Alarmiert durch diese Krise wird seit Beginn der 90er Jahre erforscht, wie die dortigen Arganwälder genutzt und gleichzeitig geschützt werden können. So haben inzwischen einige Projekte zu verbesserten Methoden zur Verarbeitung der Produkte des Arganbaumes geführt.
Bei der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH 1995 startete das marokkanisch-deutsche Projekt "Schutz und Entwicklung der Arganenregion" (PCDA). Das Projekt setzt auf die naturverträgliche Nutzung des Arganbaumes durch traditionelle Verfahren der Berberfrauen zur Ölgewinnung, sichert gleichzeitig Qualitätsstandards, fördert die Vermarktung und vereint die vordergründig sich widersprechenden Anliegen von Naturschutz und wirtschaftlichen Aktivitäten.
Die UNESCO (Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur) hat das Argangebiet Marokkos 1998 zum Biosphärenreservat erklärt. Dabei geht es nicht um den Ausschluss von Regionen aus der menschlichen Sphäre, wie das bei Naturschutzzonen der Fall ist, sondern mit dem „Biosphärenreservat Arganeraie“ soll gezeigt werden, dass der Mensch die Biosphäre nutzen kann, ohne sie zu zerstören.
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