Arganöl Herstellung

Arganöl und die mühsame Herstellung

Das Gold, das in den Bäumen hängt und das keiner pflückt, gibt es nicht nur im Schlaraffenland.

Die Erntezeit

Auch wenn die Fülle der Früchte den Arganbaum goldgelb überzieht, werden die Früchte von den Berbern nicht gepflückt, weil ihnen die dornigen Äste des Baumes ernsthafte Verletzungen zufügen könnten. Die Früchte einfach so vom Baum ernten zu wollen, kommt in etwa dem Besteigen eines Kaktus gleich. Arganbäume können auch nicht, wie etwa Olivenbäume, mit Maschinen geschüttelt werden, da dies zum Abbrechen der spröden, trockenen Baumäste und zum Abfallen aller zugleich vorhandenen Blüten führen würde.

In dieser Zeit bleiben die Arganwälder für jegliche Art von Beweidung gesperrt und man wartet einfach, bis die Früchte von selbst zu Boden fallen. Sie werden dann per Hand aufgelesen und zu Hause auf den Dächern der Lehmhäuser luftgetrocknet. Diese Vorgehensweise ermöglicht es, die Früchte über Jahre hinweg einzulagern und je nach Bedarf Arganöl zu gewinnen.

Eine Freizeitbeschäftigung nach Berber-Art

Je nach Bedarf, meist einmal im Monat, setzen sich die Frauen des Hauses in ihrer Freizeit zusammen, um das hochwertige Arganöl in einem sehr aufwendigen Verfahren herzustellen. Die Gewinnung von einem Liter Arganöl benötigt etwa 30 kg Früchte und 8 Stunden härteste Handarbeit. Im Vergleich dazu werden beispielsweise für einen Liter Olivenöl nur fünf bis zehn Kilo Oliven gepresst.

Das Schälen der Arganfrüchte

Um es von der Nuss zu trennen, wird zunächst das getrocknete, für den Menschen ungenießbare Fruchtfleisch (das Perikarp) zwischen zwei Steinen zerquetscht. Das Fruchtfleisch wird dann eingelagert und während der Trockenzeit als hochwertiges Kraftfutter an die Tiere verfüttert. Die gewonnenen hellbraunen Argannüsse werden zur Weiterverarbeitung bereitgestellt.

Die Frauen haben eine harte Nuss zu knacken

In mühevoller Kleinarbeit werden die Nüsse dann zwischen zwei Steinen geknackt, wobei streng darauf geachtet wird, die in den Nüssen enthaltenen Mandeln (möglichst) nicht zu beschädigen. Argannüsse enthalten im Durchschnitt zwei bis drei kürbiskerngroße Mandeln, aus denen das Arganöl gepresst wird. Arganmandeln werden langläufig auch Kerne oder Samen genannt.

Es setzt außergewöhnliches Geschick voraus, in einem Schlag Kraft und Fingerspitzengefühl zu vereinen. Die Argannuss, die man zum Aufbrechen genau auf ihrer Naht treffen muss, ist 15-mal so hart wie eine Haselnuss. Der Versuch des Autors, eine Argannuss auf die eben beschriebene Weise zu öffnen, hat bei allen Anwesenden für Belustigung gesorgt.

Die Röstkunst nach alten Regeln

Unser Arganöl ist in drei Varianten erhältlich. Bei der traditionell gewonnenen Variante "Classic" werden die ölhaltigen Mandeln geröstet. Diese Rösttradition betont und verbessert das nussige Ölaroma. Das Rösten der Arganmandeln wird vorsichtig unter ständigem Rühren über einem sanften offenen Holzfeuer durchgeführt, ohne dass sie in direkten Kontakt mit einer Flamme kommen, so dass die Qualität des Arganöls erhalten bleibt.

Bei der Variante "Basic" werden die Arganmandeln nicht geröstet, so dass das gewonnene Arganöl frei von Röstaromen und weitestgehend geschmacksneutral erhalten bleibt.

Ob bei Classic oder Basic, ausgesuchte Arganmandeln und eine professionelle Zubereitung machen unser Arganöl zu einem vollendeten Genuss.

Die Arganöl-Gewinnung ist eine Handwerkskunst

Nachdem sich die Arganmandeln abgekühlt haben, werden sie in einer handbetriebenen Steinmühle gemahlen. Dem Brei, der langsam aus der Mühle läuft, wird in handwerklicher Sorgfalt durch ständiges Kneten und Zugabe von lauwarmem Wasser das Öl ausgetrieben und ungefiltert in Gefäße dekantiert.

Zurück bleibt ein brauner Presskuchen, der wiederum als hochwertiges Kraftfutter in der Haustierhaltung Verwendung findet oder auf dem örtlichen Souk verkauft wird. Selbst die Nussschalen werden nicht entsorgt, sondern dienen als Heizmaterial.

Kurzum ist alles, was der Arganbaum hergibt, nutzbar.

Das Dekantieren und Filtrieren des Arganöls

Nach der Pressung wird das Arganöl in ein Dekantiergefäß umgefüllt. Anfangs ist das frische Arganöl aufgrund der Pressrückstände trüb. Nach einer Ruhephase von ca. 2 Wochen setzen sich diese Trübungen, Schwebstoffe und festen Bestandteile am Boden des Gefäßes ab und bilden den Bodensatz (auch Dekantat oder Depot genannt). Das klare Arganöl wird dann einfach vorsichtig abgegossen.

Für eine deutlich bessere Qualität sorgt das anschließende Filtern des Arganöls. Je nach gewünschtem Reinheitsgrad wird es zwei bis dreimal gefiltert. Anschließend wird das Arganöl wieder in ein Gefäß abgezogen.

Etwa einen Monat nach der Pressung hat das Arganöl all seine Eigenschaften entwickelt, wobei das frische Arganöl eine besondere geschmackliche Herausforderung darstellt.

Ein wenig Bodensatz in den Verkaufseinheiten bleibt nicht aus. Er beeinträchtigt jedoch nicht die Qualität des Arganöls, sondern zeugt vielmehr von der Naturbelassenheit des Öls und davon, dass es nicht raffiniert worden ist. Durch Schütteln löst sich der Bodensatz im Arganöl wieder auf, wobei wir aber empfehlen, ihn am Boden zu belassen.

Arganöl Gewinnung
Arganfrüchte schälen
Arganfrüchte schälen
Argannüsse knacken Arganmandeln rösten Arganöl Steinmühle
Arganöl Presskuchen
Arganöl dekantieren
Arganöl filtrieren