Die traditionelle Ölgewinnung, die wir ausführlich unter der Rubrik „Herstellung“ beschrieben haben, basiert auf die in Marokko seit Generationen überlieferten Fertigkeiten und Erfahrungen und kann erstklassige Arganöle hervorbringen. Die Produktion findet jedoch meistens unter schlechten lebensmittelhygienischen Bedingungen statt. Außerdem ist der Einsatz von kleinen Mengen Wasser erforderlich, was häufig dazu verleitet, mehr Wasser einzusetzen und letztendlich zu einer Veränderung der Zusammensetzung des Arganöls führt.
Bei der Semi-industriellen Produktion geht es darum, die Mandeln nicht mehr in einer handbetriebenen Steinmühle zu mahlen, sondern eine elektrische oder hydraulische Ölpresse einzusetzen. Die Ölpressen sind in der Regel aus nichtrostendem Stahl, so dass eine Kontamination des Arganöls durch die Oxidation ausgeschlossen werden kann. Die Wasserzugabe fällt ganz aus, der Ertrag ist um ca. 13 Prozent-Punkte höher und die Qualität des Arganöls wird in keiner Weise durch diese modernen Ölpressen oder gar Zentrifugen beeinträchtigt.
Man ist immer geneigt, die Schuld auf die Technik zu schieben. Das Problem liegt eher darin, dass das Arganöl oft hohen Presstemperaturen ausgesetzt wird, um eine noch besseren Ertrag zu erzielen. Dadurch werden Fettsäuren in ihrer Struktur verändert und der Anteil der kostbaren Inhaltstoffe reduziert sich drastisch, was nicht im Sinne des Erfinders der Ölpresse sein kann. Die Pressen mancher skrupelfreien Hersteller werden mit den Nussschalen und mit dem bitteren Fruchtfleisch gefüttert. So ein Arganöl ist aber an dem bitteren Aroma (Geruch und Geschmack) zu erkennen.
Es ist deshalb nicht die Frage ob die Mühle manuell oder durch die Motorkraft betrieben wird, ob das Arganöl manuell oder maschinell herstellt wurde, es geht hier allein um die Unternehmenskultur. Qualitätsbewusste Unternehmen sind in der Lage sowohl mit der einen als auch mit anderen Mühle ein Arganöl der Spitzenqualität zu produzieren.
Eine aus 56 Seiten bestehende Studie vom Juli 2007 führte zu dem folgenden Ergebnis: „Die untersuchten Produktionskriterien (Verfahren, Rösten, Region) haben keine bedeutende Auswirkung auf der Qualität der Arganöle.“ Im Originaltext heiß es: „Les critères de production étudiés (Procédé, Torréfaction, Région) n’ont pas d’effet significatif sur la qualité des huiles d’Argane. “. Die Studie mit dem Titel „ETUDE DE QUALITÉ DES HUILES D’ARGANE AU MAROC“ wurde zum Teil von der EU finanziert und liegt uns vollständig vor.
Das Arganöl kann auch durch eine industrielle Extraktion gewonnen werden. Die Mandeln werden pulverisiert und Lösungsmitteln ausgesetzt. Anschließend lässt man die Chemikalien verdunsten und zurück bleibt das Arganöl, aber auch Spuren von den Lösungsmitteln. Um eine Oxydation der Fettsäure zu vermeiden können dem Arganöl Antioxidanzien, vor allem Tokopherole und Ascorbyl Palmitate zugesetzt werden. Dieses Arganöl ist anhand seiner typischen heugelben Farbe zu erkennen. Diesen Weg wollen wir nicht gehen!
Manche Arganöle werden nach dem Pressen raffiniert. Hinter dem Begriff Raffination verbergen sich eine ganze Reihe weiterer chemo-technischer Verfahren. Diese Verfahren haben vor allem einen Zweck: Ohne Rücksicht auf Verluste wird das Arganöl für den Handel und die industrielle Weiterverarbeitung optimiert oder wie es in der Nahrungsmittelindustrie liebevoll heißt „veredelt“. Das Arganöl ist dann hell und geschmacksneutral.
Es ist schon bewundernswert, welche Mittel der Lebensmitteltechnologie heutzutage zur Verfügung stehen, um aus Arganöl ein ungesundes und völlig denaturiertes Fettprodukt herzustellen.
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