Kaktusfeigen

Kaktusfeigen wurden früher fast nur an die Tiere verfüttert, bis man entdeckt hat, dass sie lecker und eine hervorragende Quelle für Vitamine, Mineralstoffe und viele andere wichtige Nährstoffe sind. Die Kerne der Kaktusfeigen liefern außerdem das Kaktusfeigenkernöl, das ernährungsphysiologisch sehr wertvoll ist.

Die Pflanze: Der Feigenkaktus

Der Feigenkaktus (Latein: Opuntia ficus-indica (L.) MILL.) ist eine Kakteenart in der Gattung Opuntien (Latein: Opuntia) mit essbaren Früchten, den so genannten Kaktusfeigen. Volkstümlich werden alle Kakteen aus der Gattung der Opuntien als Feigenkakteen bezeichnet.

Das Wort Kaktus stammt vom griechischen "kaktos", was die Bezeichnung für eine stachelige, distelähnliche Pflanze Siziliens war. In Mexiko werden die Kaktusfeigen schon seit etwa 9000 Jahren angebaut und noch länger geerntet. Mittlerweile werden die Kaktusfeigen in nahezu allen Ländern rund um das Mittelmeer angebaut. Der Feigenkaktus wächst strauch- bis baumartig und kann bis zu 6 m hoch werden.

Die Sprosse

Der Feigenkaktuskörper besteht aus ovalen Sprossen. Die Sprosse werden aufgrund ihrer flachen Form häufig als Blätter bezeichnet. Der korrekte Name lautet jedoch: Sprosse oder Flachsprosse. Aus einem Spross wachsen am Scheitel mehrere neue Sprosse, so dass eine verzweigte Struktur entsteht. Ein einziger Spross kann im ersten Jahr 8 und im zweiten 64 Sprosse tragen. Auf den Sprossen sind die für Kakteen typischen, teilweise mit Glochiden (= Winzigen Dornen mit Widerhaken) besetzten, Areolen (= filzige Polster) ausgebildet. Die Blüten stehen endständig am Spross während den Areolen keine Grenzen gesetzt sind und kommen daher auf der ganzen Sprossoberfläche vor. Sprosse sind so ausgerichtet, dass sie der Sonne möglichst wenig Angriffsfläche bieten.

In Mexiko werden die jungen, weichen Sprosse des Feigenkaktusses als Gemüse hoch geschätzt. Die Nopalitos, wie die Mexikaner diese Schösslinge nennen, sind in diesem Stadium reich an Inhaltsstoffen. Erst werden die Stacheln entfernt, dann werden die Nopalitos getrocknet, in kleine Stücke gehackt und gekocht.

Die essbaren Früchte: Die Kaktusfeigen

Die sehr delikate Kaktusfrucht ist auch unter der Bezeichnung Kaktusfeige, Distelfeige, Feigenopuntie, Indische Feige, Kaktusbirne, Nopal oder Stachelfeige im Handel zu finden. Die Kaktusfeige ist botanisch gesehen eine Beere. Verzehrt wird das Fruchtfleisch mit den ebenfalls essbaren Kernen. Das Fruchtfleisch hat einen süß-feinsäuerlichen Geschmack und zeichnet sich durch einen hohen pH-Wert (5,3 bis 7,1) und einen sehr niedrigen Säuregehalt im Vergleich zu anderen Früchten aus. Der Säuregehalt entspricht in der Tat nur 0,05 bis 0,18% Zitronensäuregehalt. Diese Werte haben einerseits einen sehr interessanten ernährungsphysiologischen Aspekt, tragen aber anderseits zu einem kurzen Mindesthaltbarkeitsdatum von nur 3 bis 4 Wochen bei, was eine langfristige Lagerung und einen weltweiten Vertrieb einschränkt.

Die Kerne der Früchte von Kaktusfeigen liefern das Kaktusfeigenkernöl, das hohe Anteile an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren besitzt und ist damit ernährungsphysiologisch als sehr wertvoll einzustufen.

Je nach Herkunft, Kultivar, Boden und Reifegrad, haben die Kaktusfeigen eine unterschiedliche Größe (7 bis 10 cm lang) und ein unterschiedliches Gewicht (100 bis 150 g). Es gibt Kaktusfeigen in fast allen Farben des Regenbogens: Von weiß über grün, gelb, orange, rot, purpur zu braun. Sie entsprechen aber interessanterweise nicht unbedingt den Farben der Blüten, die gelb, orange oder rosarot sein können.

Das Selektieren derjenigen Kultivare der "Opuntia ficus-indica", die eine hohe Produktivität gewährleisten, wurde in mehreren Ländern unternommen. Die wichtigsten in Italien sind die gelbe"Sulfarina" oder "Nostrale", die rote "Sanguigna" und die weiße "Muscaredda" oder "Sciannarina". Die drei Kultivare sind volkstümlich unter der Bezeichnung Gialla, Rossa und Bianca bekannt. In Südafrika sind am meisten verbreitet die drei Kultivare: Algera, Malta und Morado. In der Region Tiznit, dem bedeutendsten Verbreitungsgebiet Marokkos der Kaktusfeigen, gibt es hautsächlich die Kultivare Achefri (Achfri), Aissa und Moussa. Im Rifgebirge wird der Kultivar "Delahia" aufgrund der Qualität und organoleptischen Eigenschaften seiner Früchte sehr geschätzt.

Die Inhaltsstoffe der Kaktusfeigen

100 g Kaktusfeigen weisen einen Brennwert von etwa 50 kcal (209 kJoule) auf und enthalten etwa 85 g Wasser, 0,7 g Eiweiß, 0,5 g Fett, 9,6 g Kohlenhydrate und 3,6 g Ballaststoffe.

Die Kaktusfeigen enthalten auch Kalium, Magnesium, Calcium und Natrium sowie geringe Mengen an Mangan, Zink, Eisen, Kupfer, Nickel und Chrom. Ferner zählen Beta-carotin (Betakarotin), Alpha-Tokopherol (Vitamin E), Phyllochinon (Vitamin K1), verhältnismäßig viel Vitamin C sowie Spuren der Vitamine Thiamin (B1), Riboflavin (B2), Niacin (B3), Pantothensäure (B5) und Pyridoxin (B6) zu den Inhaltstoffen der Kaktusfeige. Sie verfügen außerdem über Karotinoden, Flavonole (Gruppe der Flavonoide) und einen außerordentlich hohen Anteil an Pektin.

Die wertvollen Farbstoffe der Kaktusfeige

Zwei Betalaine wurden in den Kaktusfeigen identifiziert: Betanin und Indicaxanthin. Betalaine sind eine Gruppe chemisch sehr ähnlicher wasserlöslicher Blüten- und Fruchtfarbstoffe, die neben Anthocyanen und Carotinoiden die dritte Gruppe pflanzlicher Farbstoffe bilden. Die Betalaine werden in die Gruppe der Betacyane (eng. Betacyanins) sowie die Gruppe der Betaxanthine unterteilt.

Indicaxanthin ist ein wichtiger Vertreter der Gruppe Betaxanthine, die alle gelb sind. Alle Betacyane weisen einen purpurnen (rotvioletten) Farbton auf. Der bekannteste Vertreter der Betacyane ist das in der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie zugelassene Betanin.

Betanin (auch Betanoin, Betenrot oder umgangssprachlich Beetenrot) ist ein natürlicher, roter Farbstoff, der nur in Pflanzen bestimmter Familien der Ordnung Caryophyllales (z. B. Kaktusfeigen und Roten Rüben) sowie einigen höheren Pilzen (z. B. Fliegenpilz) vorkommen. Es färbt Urin und Stuhl, was völlig unbedenklich ist. Dieses wasserlösliche Pigment reagiert empfindlich auf Licht und Wärme. Es ist unter der Nummer E 162 als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen und wird beispielsweise als Lebensmittelfarbe für Fruchtgelees, Kaugummi, Essig, Saucen, Speiseeis, Joghurt und Marmelade sowie für kosmetische Salben und pharmazeutische Anwendungen verwendet. Die Farbstoffgewinnung erfolgt aus dem Presssaft durch kontinuierliche Extraktion.

Die antioxidative Wirkung der Kaktusfeige

Die an der Universität von Palermo im Dezember 2003 durchgeführte Studie (1) hat die oxidationshemmende Wirkung der Kaktusfeigen bestätigt. Sie helfen in wertvoller Weise der Alterung entgegen, was ihrer Farbstoffen Betanin und Indicaxanthin zu verdanken ist; denn wenn sie mit dem Vitamin E und mit dem Vitamin C kombiniert werden, wirken sie dem oxidativen Stress entgegen. Die Studie liegt uns vollständig vor.

Kuti hat 2004 in seiner Studie (2) festgestellt, dass ebenfalls die wesentlichen Flavonoide (Quercetin, Kaempferol und Isorhamnetin) der Kaktusfeige über eine antioxidative Wirkung verfügen. Vieles deutet darauf hin, dass diese "neuen" Antioxidanzien effizienter sind als die Vitamine, da sie in der Lage sind die prooxidativen Effekte in den Proteinen, DNA und Lipiden zu verzögern während sich die stabilen Radikale (Radikalfänger) bilden (3).

(1) Supplementation with cactus pear (Opuntia ficus-indica) fruit decreases oxidative stress in healthy humans: a comparative study with vitamin C.
(2) Koti J.O.: Antioxidant compounds from four Opuntia cactus pear fruit varieties. Food Chem 85, 527-533 (2004).
(3) Shahidi F., P.K. Janitha & P.D. Wanasundara: Phenolic antioxidanta, Critical previous term Reviews next term. Food Sci Nutr 32, 67–103 (1992).

Die Kaktusfeige und die Aminosäuren

Im Feigenkaktus ist gleichzeitig Taurin in großen Mengen enthalten. Taurin ist eine Aminosäure, die als ein Antioxidationsmittel und als ein biologischer Regulator wirkt und die vor allem die freien Radikale bekämpft, die unter anderem für den Hautalterungsprozess verantwortlich sind. Während Taurin im gesamten Tierreich ubiquitär vorkommt, wurde sie in Pflanzen bisher nur in der Kaktusfeige Opuntia ficus-indica sicher Nachgewiesen.

In der Literatur kommen zwei Stoffe mit dem Trivialnamen "Taurin" vor. Wie es dazu kam, dass der Begriff "Taurin" inhaltlich doppelt besetzt wurde, ist nicht bekannt. Es handelt sich aber bei der Taurin, die in den Kaktusfeigen enthalten ist, um 2-Aminoethansulfonsäure (CAS–Nr.: 107-35-7) und nicht um die aus Artemisia-Arten isolierte Sesquiterpene (CAS–Nr.: 23522-05-6).

Auch andere Aminosäuren kommen in erheblichen Mengen in den Kaktusfeigen vor. Mengenmäßig am meisten vertreten sind Prolin, Glutamin, Serin und Alanin; sie machen über die Hälfte aller Aminosäuren in einer Kaktusfeige aus. Auch Glutaminsäuren und Aspargin sind verhältnismäßig gut vertreten. Besonders hervorzuheben ist, dass auch die acht essenziellen Aminosäuren (Methionin, Valin, Isoleucin, Phenylalanin, Leucin, Lysin, Threonin und Tryptophan) und die 2 semi- essenziellen Aminosäuren (Histidin und Arginin) vorhanden sind und in frei verfügbarer Form vorliegen. Eine essentielle Aminosäure ist eine lebensnotwendige Aminosäure, die ein Organismus benötigt, aber nicht aus elementaren Bestandteilen aufbauen kann. Die semi-essenziellen Aminosäuren sind für Heranwachsende oder während der Genesung essenziell.

Kaktusfeigen und Feigenkaktus in anderen Sprachen

  1. Arabisch : تين شوكي (Tin Schaouki), Hendiyya (Marokko), Kermus ennsara (Marokko), Aknari (Amazigh).
  2. Dänisch : Figenkaktus, Kaktusfigen, indisk figen.
  3. Englisch : Prickly pear, cactus fruit, Indian fig opuntia, cactus pear, barbary-fig, cactus, tuna.
  4. Finnisch : Viikunakaktus, Viikunaopuntia.
  5. Französisch : Figue de barbarie, figuier de barbarie, figuier d'Inde, figue de cactus, nopal, oponce, cactus raquette, chardon d'Inde, figuier à raquettes.
  6. Italienisch : Fico d'India, Opunzia.
  7. Litauisch : Figavaise opuncija.
  8. Niederländisch : Woestijnvijg, Cactusvrucht, Cactusvijg, Barbarijse Vijg, Bloedvijg, Schijfcactus.
  9. Norwegisch : Fikenkaktus.
  10. Polnisch : Olej pestkowy kaktusa figowego.
  11. Portugiesisch : Figueira da India, Figo de cacto, Figos da India, Figo de pitoira, Figueira da Barbária, Palmatoria sem espinhos, Tabaido.
  12. Russisch : Самый обыкновенныи (Samyi obyknovennyi), Опунция индийская (Opuntsiia indiiskaia).
  13. Schwedisch : Kaktusfikon, Fikonkaktus.
  14. Spanisch : Higo chumbo, higo de cactus, Tuna, nopal, chumbera.
  15. Ungarisch : Közönséges fügekaktusz.